Vier Kilometer eRadschnellweg

Durch die Zunahme des Anteils von Fahrrädern mit elektrischem Antrieb ergeben sich neue Chancen, die Verkehrsmittelwahl insbesondere bei Berufspendlern zu Gunsten des Radverkehrs zu verlagern, denn E-Bikes und Pedelecs ermöglichen es zukünftig, auch weitere Strecken regelmäßig mit dem Rad zurückzulegen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Infrastruktur den Ansprüchen des schnellen Radverkehrs gerecht wird.

Eine von der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg im Jahr 2009 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zu Radschnellwegen lieferte wertvolle Erkenntnisse darüber, wo und in welcher Form in Göttingen und Umland ein Radschnellwegkorridor eingerichtet werden kann.

Darauf aufbauend begannen die Planungen für den Bau eines zunächst 4 km langen Radschnellwegs, der vom Göttinger Bahnhof zu den bedeutenden Arbeitsplatzschwerpunkten führt. Damit wurde gerade für Berufspendler ein attraktives Angebot geschaffen.

Etwa 1,4 km verlaufen als Fahrradstraßen, auf den restlichen 2,6 km  wurden separate Anlagen für den Radverkehr geschaffen oder vorhandene modernisiert bzw. erweitert. Die Strecke wurde mit Markierungen und Piktogrammen zur besseren Erkennbarkeit versehen und wird in den Wintermonaten bevorzugt von Schnee und Eis befreit.

Der eRadschnellweg wurde in zwei Etappen errichtet. Der erste Abschnitt wurde im November 2013, der letzte Teilabschnitt im Frühjahr 2015 für den Verkehr freigegeben.

Die drei Lichtsignalanlagen des 1. Bauabschnitts wurden so koordiniert, dass Radfahrer nach einmaligem Warten an der ersten Lichtsignalanlage bei Einhalten einer bestimmten Geschwindigkeit ohne Wartezeiten die beiden nachfolgenden Lichtsignalanlagen passieren können. Für den Kfz-Verkehr ergibt sich dadurch eine geringfügige Verschlechterung in der Koordinierungsqualität („Grüne Welle“). 

Alle drei Anlagen des 1. Bauabschnitts sind teilverkehrsabhängig gesteuert. Dies ermöglicht bei entsprechendem Radverkehrsaufkommen eine Anpassung der Freigabezeiten für Radfahrer. Bei Erreichen eines definierten Schwellenwertes verlängert sich die Grünzeit für den Radfahrer.

Auch beim 2. Bauabschnitt wurden „radfahrerfreundliche“ Änderungen an den Schaltungen der Lichtsignalanlagen vorgesehen, um die Wartezeiten für den Radfahrer an den Kreuzungen deutlich zu reduzieren.

Zur Sichtbarmachung des Radverkehrsaufkommens sind entlang des Radschnellweges zwei Zählstellen mit einem angeschlossenen Display ausgerüstet, auf dem die Radverkehrsmengen pro Tag und Jahr angezeigt werden. Im Jahr 2014 passierten an der Zählstelle der Robert-Koch-Straße insgesamt 1.212.711 Radfahrer die Zählstelle. Am Spitzentag waren es 7.927 Radfahrer.

Insgesamt wurden an 8 Knotenpunkten die Lichtsignalanlagen erneuert und radfahrerfreundlich signalisiert.

Parallel zum Bau des eRadschnellwegs führt die Universität Göttingen ein umfangreiches Feldtestprogramm mit Leihpedelecs bei bedeutenden Arbeitgebern entlang der Strecke durch. Ziel der Untersuchungen ist es, festzustellen, welchen Effekt Infrastrukturverbesserungen auf die Verkehrsmittelwahl der Berufspendler haben und wie Arbeitnehmer an die Zweiradelektromobilität herangeführt werden können.

Als begleitender Effekt wird eine Sichtbarmachung der Elektromobilität in Göttingen und Umgebung in Form von E-Bike- und Pedelecverkehr inklusive Ladeinfrastruktur erzielt.

Dieser Effekt soll bewirken, dass neue Bevölkerungsschichten für die Zweiradelektromobilität angesprochen werden und somit eine spürbare Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf das Verkehrsmittel Pedelec/E-Bike stattfindet.

Das Projekt „eRadschnellwege – Umstiege erleichtern“  ist eines von rund 30 Projekten im Schaufenster Elektromobilität Niedersachsen und wird mit rund einer Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen der Schaufensterinitiative Elektromobilität der Bundesregierung gefördert.

Darüber hinaus hat die Stadt Göttingen einen Eigenanteil von knapp 600.000,- € für die Realisierung der beiden Bauabschnitte eingesetzt.

Derzeit wird mit dem Land Niedersachsen über die Möglichkeit einer Verlängerung des Radschnellwegs vom Bahnhof in südliche Richtung nach Rosdorf gesprochen. Dieser Korridor würde erstmals auch eine Umlandgemeinde mit hohem Einpendleranteil nach Göttingen mit den universitären Arbeitsplätzen und den Göttinger Bahnhof verbinden. Stadt und Landkreis Göttingen sowie das Land versprechen sich von der Umsetzung dieser Maßnahme eine signifikante Änderung der Verkehrsmittelwahl zu Gunsten des Radverkehrs.

 

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